Hittisau Aktuell
Auszeichnung für das Feuerwehr- und Kulturhaus in Hittisau
Das Feuerwehr- und Kulturhaus mit Frauenmuseum in Hittisau wurde mit dem erstmals vergebenen REAR Award 2026 (Reflect Architecture Award) ausgezeichnet. Das Gebäude wurde von Cukrowicz Nachbaur Architekten geplant und im Jahr 2000 fertiggestellt. Der neue Preis würdigt Gebäude, die sich über Jahrzehnte in der Nutzung und im gesellschaftlichen Leben bewährt haben – eine Qualität, die bei herkömmlichen Architekturaus-zeichnungen kaum berücksichtigt wird.
Das Feuerwehr- und Kulturhaus / Frauenmuseum Hittisau wurde im Jahr 2000 von den Vorarlberger Architekten Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur-Sturm (Cukrowicz Nachbaur Architekten) für die Gemeinde Hittisau errichtet. Es vereint die Freiwillige Feuerwehr, das Probelokal des Musikvereins und das Frauenmuseum Hittisau unter einem Dach.
Die ungewöhnliche, in einer kleineren dörflichen Struktur jedoch sinnvolle Kombination unterschiedlicher Funktionen in einem Gebäude wird im Entwurf thematisiert. Während sich die Feuerwehr in das leicht ansteigende Gelände schiebt und Richtung Hauptstraße orientiert, schwebt der Kulturbereich als Holzquader über der Feuerwehr und öffnet sich über eine große Glasfront zum Dorfzentrum. Die Trennung der beiden Funktionsbereiche durch unterschiedliche Ausrichtungen wird durch ein klares Materialkonzept verstärkt. Die Materialien der Feuerwehr sind Beton, verzinkter Stahl und Glas. Im Kulturbereich wird anknüpfend an die regionale Bautradition für Wände, Decken und Böden ausschließlich unbehandelte heimische Weißtanne verwendet.
“Wir wollten ein Haus bauen, das selbstverständlicher Teil seiner Umgebung wird. Einfach und selbstverständlich, identitätsstiftend und flexibel. Ein Haus mit natürlichen und sinnlichen Materialien. Ein Haus, das gut altern kann. Ein Haus mit Eigenschaften, Ausblicken und Stimmungen.“
— Andreas Cukrowicz, Cukrowicz Nachbaur Architekten, Bregenz
Das Frauenmuseum
Das Frauenmuseum Hittisau hat sich seit dem Bau im Jahr 2000 im gesellschaftlichen Leben bewiesen, und ist nicht mehr aus Hittisau und der Region Bregenzerwald wegzudenken. Gestützt durch den architektonischen Rahmen ist das Frauenmuseum zu einer wahren Institution im Bregenzerwald und der österreichischen Kulturlandschaft geworden, und hat auch über die Grenzen hinaus Bekanntschaft erlangt.
„Die Architektur dieses Hauses hat uns von Anfang an geholfen, als Frauenmuseum ernst genommen zu werden. Ein Gebäude, das mit solcher Sorgfalt und Qualität gebaut ist, sendet eine klare Botschaft: Was hier stattfindet, hat Bedeutung. Das spüren unsere Besucher:innen, das spüren unsere Kooperationspartner:innen – und es hat uns über 25 Jahre getragen. Architektur und Inhalt sind kommunizierende Gefäße: Erst durch seinen Inhalt, durch die Menschen und die Arbeit, die in ihm stattfindet, lebt ein Gebäude wirklich.“
– Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin Frauenmuseum Hittisau
Reflect Architecture Award
Der REAR Award richtet den Blick bewusst auf das, was konventionelle Architekturpreise selten würdigen: Gebäude, die über eine Generation hinweg dem Klima ausgesetzt waren, intensiv genutzt wurden und dabei ihre gestalterische Qualität, ihre gesellschaftliche Relevanz und ihre Alltagstauglichkeit bewiesen haben. Er wird in zwei Kategorien vergeben – für Bauten, die vor dem Jahr 2000 fertiggestellt wurden (REAR Award), und für Bauten, die in den vergangenen 25 Jahren transformiert wurden (REAR Transformation).
Das Feuerwehr- und Kulturhaus / Frauenmuseum Hittisau hat unter 154 Einreichungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einen von drei Hauptpreisen des REAR Awards erhalten. Die Preisverleihung für beide Kategorien findet am 26.09.2026 in Leipzig statt.
Aus der Jury-Begründung
Das Feuerwehr- und Kulturhaus in Hittisau entstand aus einer ungewöhnlichen Bauaufgabe. Die Verbindung von Feuerwehr und Kulturhaus erscheint zunächst widersprüchlich. Gerade aus diesem Spannungsfeld entwickelt das Projekt seine besondere Stärke und schafft einen Ort, der bis heute fest im öffentlichen Leben der Gemeinde verankert ist. Die Qualität des Entwurfs liegt im präzisen Umgang mit der Topographie. Anstatt das schwierige Grundstück zu nivellieren, wird der Gelände-versprung genutzt, um zwei eigenständige Funktionsbereiche übereinander zu organisieren.
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