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Hittisau Aktuell

Mobilität im ländlichen Raum. Wie kommen wir weiter?

Die Landgespräche Hittisau beschäftigen sich im Rahmen der Tagung am 26. Sept. im Ritter-von-Bergmann Saal mit einem komplexen Thema, "Mobilität im ländlichen Raum. Wie kommen wir weiter?" Das Weiterkommen im Titel um­ fasst nicht nur den Modus ebenso wie die Zeit, die es braucht, von A nach B und alle assoziierten weiteren Ziele zu kom­men, sondern auch die Qualität der Diskurse, die die verschiedenen Interessenslagen mit praktisch umsetzbaren Lösungen in einen global-ökonomischen und ökologischen Zusammenhang stellt. Der "ländliche Raum", hier der Vor­derwald, in der Verkehrspolitik eng verzahnt mit den urba­nen Regionen, vor allem der Agglomeration des Rheintals, und den verankerten Grundsätzen der Raumplanung, muss die urbane ebenso wie die ländliche Situation in ihren um­fassenden Dimensionen klug miteinander verzahnen, zu­ sätzliche Pendlerbewegungen wenn möglich vermeiden und auf den Hauptachsen bündeln, allenfalls mit innovati­ven, mutigen neuen Visionen. Veränderungsszenarien küm­mern sich interventiv, wie das Verhalten der Leute strate­gisch klug und respektvoll verändert werden kann, und operieren methodisch politisch mit partizipativen Konzepten, die kluge Mobilität als einen Zuwachs der Lebensqualität sehen, dass der Dorfplatz, beispielsweise in Hittisau, wieder zu einem sozialkommunikativen Begegnungsort wird und die Grundbedürfnisse nach einem Miteinander gut regu­liert sind. Die Landgespräche, die bisher zum Thema Woh­nen im ländlichen Raum (2018) und Bildung (2019) stattfan­den, waren von einem konstruktiven, ergebnisoffenen Prozess geprägt, die Themen qualitativ jeweils sehr gut und in die Tiefe differenziert vorbereitet, mit entsprechend ver­ sierten und kompetenten Referentlnnen ausgestattet, offen moderiert und haben auch die Wortmeldungen aus dem Publikum optimal in das insgesamt diskursive und attraktive Format integriert.

Kleine Anstöße mit großer Wirkung
Ein Konferenznachmittag in diesem ausgeklügelten, kom­primierten Format fokussiert im Wesentlichen auf das Ge­spräch zum Thema, auf kreative Vorträge, das Zusammen­ treffen von Expertise mit einem interessierten Publikum, eine animierte Diskussion, und vertraut darauf, dass Inhalte und Perspektiven disseminiert, weiter verfolgt und umge­setzt werden. Generell ist in der Energieregion Vorderwald zum Thema schon viel passiert, u.a. gibt es eine Ladestation für E-PKWs in jeder Gemeinde, die Job-Rad Aktion 2018 Mit dem Fahrrad zur Arbeit  ist erfolgreich unterwegs und Auto­ teilen in den Gemeinden Hittisau, Krumbach und Sulzberg über CARUSO CARSHARING (\MM-V.energieregion-vorder­ wald.at/mobiljmobil-mit-stil).

Evidenzbasiert; wie Gerhard Fehr betont, wissen wir, dasThema Mobilität polarisiert, der Verkehr insgesamt hat zu­ genommen, der Leidensdruck verstärkt sich, die C02 Emis­sionen steigen an, mit den weiterhin nur sehr zögerlich auf­ gegriffenen Klimafragen werden die dissonanten Töne im­mer lauter. Die Gletscher in den Alpen zerrinnen in rasender Geschwindigkeit, die Plastikmengen in den großen Ozeanen übersteigen mittlerweile das Vorstellungsvermögen. Ger­hard Fehr, als Vortragender, wird sich in seinem Vortrag u.a. damit befassen, wie verändern wir das Verhalten und die Gewohnheiten der Leute, wie sollen politische Prozesse zur dringlichen Auseinandersetzung mit den vielen komplexen Themen angeschoben werden. Auf dem Marktplatz der Mo­bilität ist mittlerweile eine ganze Reihe von Modellen auf­ geboten, die Dilemmata zu minimieren, von Carsharing bis Trittrollern, von Busoptimierungen bis Pausen einlegen. Wir brauchen neue Perspektiven.

Ein überzeugendes Programm
An der Tagung referieren: Harald Frey, Senior Scientist im Bereich Verkehrsplanung und -technik am Institut für Ver­kehrswissenschaften der TU Wien. Der Verkehrswissen­schaftler und Planer setzt sich für verkehrsberuhigende Maßnahmen, Fußgängerzonen, urbane Naherholungsräume und die Steigerung von Luft- sowie Lebensqualität ein, er befürwortet den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sowie eine Reduzierung des privaten PKW-Verkehrs. Jörg Zimmer­mann, Verkehrsplaner im Amt der Vorarlberger Landesre­gierung, Gerhard Fehr, Zürich, Verhaltensökonom und CEO von FehrAdvice & Partners, in seinem Büro wird public knowledge, das aus der Wissenschaft kommt, systematisiert, „Ich möchte als Mensch andere mit evidenzbasiertem Wissen inspirieren. Warum? Weil evidenzbasiertes Denken und Handeln die Grundlage einer systematischen Fehlerkultur sind." Weiters Roland Gruber, der Gründer von nonconform im Ge­spräch mit dem kommunalen Visionären Mario Abl, Uli Bö­ker und John Grubinger. ,,Das Gespräch ist das Format, das man immer braucht," sagte er 2019 in einem inspirierenden Vortrag bei den Tagen der Utopie in Arbogast. Gruber ist ein Ideengenerator, Positivdenker, Experte für Entwicklungs­ strategien. Die Moderation hat Andrea Weninger, Geschäfts­führerin und Expertin für Verkehrs- und Umweltpolitik.Sie ist Geschäftsführerin und Ingenieurkonsulentin für Raum­planung und Raumordnung und leitet den Bereich Raum & Mobilität. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Mobilitätskonzep­te, räumliche Entwicklung, Machbarkeitsstudien und Analysen in der Verkehrs- und Umweltpolitik. Sie ist Mitglied des Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung in Wien.

Das Format für die Diskussion zu Mobilität wird diesmal variiert, es wird ein kleines Podium geben, besetzt mit dem Obmann des Verkehrsausschusses, Bürgermeister Bernhard Kleber aus Andelsbuch, mit dem Bauunternehmer Hubert Rhomberg aus Bregenz, Peter Fetz, Hirschenwirt und Hotelier in Schwarzenberg, moderiert von Caroline Jäger, e-5 Team Hittisau. Hier darf man gespannt sein, wie die Perspektiven aus den Vorträgen in die Vorderbregenzerwälder Wirklichkeit übersetzt und gespiegelt werden. Die jahrzehn­telange Bevorzugung des motorisierten Individualverkehrs wird mit diesem Nachmittag des 26. September nicht beendet und der öffentliche Verkehr und nicht-motorisierte Mo­bilitätsformen wie Zufußgehen oder Radfahren nicht wesentlich gestärkt sein. Das Radfahren hat in den letzten Mo­naten angeblich stark zugenommen bei gleichzeitigem An­stieg der E-Bike verunfallten Radfahrerinnen, wie mir gestern Abend eine Unfallchirurgin versicherte. Doch in Summe sind die beharrenden Kräfte stark und einflussreich und stemmen sich mit all ihrer gesellschaftlichen und politischen Macht gegen diese Entwicklungen und Veränderungen. Das Arbeitsplatzargument in der Autoindustrie. Um jeden Parkplatz wird gekämpft, jeder neue Radweg ist Anlass für medial geführte Kampagnen. An dieser Tagung werden die Widersprüche innerhalb des Themenkomplexes offen­ gelegt und in ihrem Bezugssystem verortet. Die Zahl der Fragen an sich und deren Komplexität werden eher zuneh­men. Man darf jedoch mit den Initiatoren der Hittisauer Landgespräche, Hermann Hagspiel, Johann Steurer, Markus Faißt und Dietmar Nussbaumer, die wieder ein außergewöhnlich attraktives Programm konstruiert und dazu die Besten unter den möglichen besten Vortragenden eingeladen haben. Die Vortragenden sind all Männer, während Frauen nur in der Moderationsrolle auftauchen, was ich eigentlich nicht nur schade, sondern auch sehr veränderungswichtig finde). Das Thema an sich, Mobilität, so meine bescheidene Hypothese, hat, eventuell, mit diesem Gesichtspunkt etwas zu tun.

Energieregion Vorderwald
Letztes Jahr startete ein Prozess in der Energieregion Vor­derwald, bei dem sich die Gemeinden intensiv mit nachhal­tiger und umweltfreundlicher Mobilität und Möglichkeiten zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in ihren Ortszen­tren auseinandersetzten. Eine besondere Herausforderung stellt im Vorderwald dabei die Tatsache dar, dass alle Ortskerne von einer Landesstraße durchquert und in den meisten Fällen von einem starken Durchzugsverkehr dominiert werden, betonte der Dorener Bürgermeister und Regio-Obmann Guido Flatz: ,,Aus Sicht der Vorderwaldgemeinden sollte im Zielkonflikt zwischen den Bedürfnissen des Durchzugsver­kehrs und den Bedürfnissen des Dorflebens zumindest im Kernbereich den Interessen der Standortgemeinde ein höherer Stellenwert eingeräumt werden." (www.energieinstitut.at) Auf dieser informationsreichhaltigen Homepage liest man zu Mobilität und Energie: ,,Jede dritte Kilowattstunde wird im Verkehr konsumiert. Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Nur wer mobil ist, ist auch in der Lage, sein Leben eigenständig zu organisieren. Allerdings benötigt die Art und Weise, wie wir in unserer Gesellschaft unsere Mobilitätbedürfnisse abdecken viel Energie: Rund 30 % des Vor­arlberger Energieverbrauchs gehen laut Energiebericht der Landesregierung auf das Konto der Mobilität. Mehr als 40 % der energierelevanten Treibhausgasemissionen in Vorarlberg stammen aus dem Verkehrssektor."

Wie bleibt man erreichbar?
Martin Reis vom Energieinstitut betont, es gebe bis dato kein Abwanderungsproblem aus dem Vorderwald. Die Frage bliebe dennoch, wie man erreichbar bleibe. In der Klimaan­passung werde sich Sommer- und Wintertourismus stark verändern. Das bestätigt auch Werner Bäzing, der wohl be­kannteste  Alpenforscher, vgl. Interview in der Kultur, Oktober 2017.   

Landgespräche Hittisau
Sa, 26.9.2020, 13 -18 Uhr, Ritter-von-Bergmann Saal, Hittisau
Info und Anmeldung:
www.hittisau.at
Tel. 05513 6209-250
tourismus(at)hittisau.at

Mehr Informationen über die Landgespräche Hittisau

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