Realitätsnahe Ausbildung im Bregenzer Wald

Das Bundesheer zu Gast in Hittisau. Unbewaffnet im Einsatz für den Frieden.

 

Große Aufmerksamkeit wurde in den letzten Wochen der Arbeit der Militärbeobachter in Syrien geschenkt. Mit dem Aufbau dieser neuen Mission wurde das mediale Interesse auf eine Facette der Auslandseinsätze geworfen, an der sich Österreich schon seit mehr als 45 Jahren erfolgreich beteiligt. Derzeit werden Missionen in Syrien, im Libanon, in Israel, in Georgien, im Kongo und in der Westsahara beschickt. Weltweit stehen insgesamt 2.033 Militärbeobachter in 17 Missionen im Einsatz. Um angehende Militärbeobachter real auf ihren Einsatz vorzubereiten, wird im Austrian Armed Forces International Centre (AUTINT) alle zwei Jahre ein Military Observer Course (MOC) abgehalten. Der 34. Beobachterkurs fand von 11. – 29. Juni 2012 statt.

Im Rahmen von Fo(u)r Peace Central Europe (4PCE), dem engen Schulterschluss der internationalen Ausbildungszentren von Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Österreich, fand die Abschlussübung des Kurses vom 22. – 27. Juni im Dreiländereck am Bodensee statt. Eine Vorgehensweise, die bereits vor zwei Jahren erfolgreich durchgeführt wurde. Mit dieser länderübergreifenden Übung soll ein weiterer Schritt in der Standardisierung der Ausbildung sowie ein höherer Grad an Interoperabilität zwischen den Ländern erreicht werden.

 

Was sind Militärbeobachter?

Militärbeobachter sind für die Vereinten Nationen und die Europäische Union im Einsatz. Unbewaffnet versuchen sie für Frieden und Stabilität in Krisenregionen zu sorgen. Der Personenkreis beschränkt sich dabei auf Offiziere die mindesten einen Auslandseinsatz in einer Mission erfolgreich absolviert haben. Erst danach ist die Teilnahme am internationalen dreiwöchigen Militärbeobachterkurs möglich. Die Lerninhalte reichen dabei von Verhandlungsführung, Umgang mit Medien, Stress Management, Culturell Awareness, GPS Training bis hin zum Bergen von Verletzten aus einem Minenfeld, um nur einige zu nennen. Damit es zu einer möglichst realistischen Übermittlung der Ausbildungsziele kommt, werden diese bei praktischen Übungen im Zuge des Lebens auf der Teambase und der Patrouillentätigkeit im Sektor eingespielt. Da Militärbeobachter in Krisengebieten natürlich auch vor Entführungen nicht gefeit sind, muss auch dieser äußerst sensible Bereich geübt werden. Eine Erfahrung, die bei vielen Kursteilnehmern an die persönlichen Grenzen geht. Aber nur wer bestens ausgebildet und optimal ausgerüstet in einen Einsatz geht, kann im Ernstfall jene Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, die der Schlüssel für die erfolgreiche Bewältigung einer Krisensituation ist.

Gebührender Abschluss in Hittisau

Am 27. Juni endete der Kurs mit der Closing Ceremony. Kurz nach 15 Uhr spielte die die Militärmusik Vorarlberg in Hittisau ein viel beklatschtes Platzkonzert. Im Anschluss daran erfolgte mit klingendem Spiel der Abmarsch zum Festgelände. Dort standen bereits 94 Militärbeobachter aus 32 Nationen sowie ihre Instruktoren zum Empfang ihrer Kurszertifikate bereit. Pünktlich um 16 Uhr meldete der Kursdirektor, Obst Sandor Galavics, dem militärisch Höchstanwesenden, Bgdr Ernst Konzett, den Beginn des Festaktes. Nach dem Welcome durch den Kommandanten des AUTINT, Obst Claus Amon, sprach der Kommandant des SWISSINT, Obst iG Stefano Trojani, in sehr persönlichen Worten zu den Absolventen des Kurses. Bgdr Ernst Konzett ging in seiner Rede auf die derzeitige globale Situation ein und er betonte, dass für ihn die Ausbildung zum Militärbeobachter und der damit verbundene unbewaffnete Einsatz in einem Krisengebiet einen wesentlichen Beitrag zur Friedenssicherung darstellt.

Nach knapp 50 Minuten konnten die 94 neuen Militärbeobachter ihre Dekrete übernehmen und sich über einen erfolgreichen Kursabschluss freuen. Beim abschließenden BBQ am Schulhof in Hittisau bot sich den Kursteilnehmern und den Einheimischen ein farbenfrohes Bild. Am späteren Abend stellte sich, wie schon 2010, die örtliche Blasmusikkapelle für ein Ständchen ein. Ihre ausgezeichnete musikalische Darbietung wurde mit zahlreichen Zugabeforderungen honoriert, und rief besonders bei unseren internationalen Gästen wahre Begeisterung hervor.

  

Lob und Dank

Wie beim letzten Kurs war das Militärkommando Vorarlberg sowie die Gemeinden Hittisau, Krumbach, Langenegg, Lingenau und Riefensberg erneut äußerst zuvorkommender Partner, die den Gästen des AUTINT jeden möglichen und oft auch unmöglichen Wunsch erfüllte. Die Betriebsstaffel der Walgau Kaserne in Bludesch, unter Leitung von Vzlt Jordan, sorgte in professioneller Weise für die Verköstigung, die jeden Besucher des BBQs mehr als zufrieden stellte.

Auf ein baldiges Wiedersehen im Bregenzer Wald!

Oberstleutnant Helmut Gekle

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